Geburt und Namensgebung im heidnischen Skandinavien
Sinn und Zweck einer Ehe im heidnischen Skandinavien war neben familienpolitischen Überlegungen in erster Linie eine reichliche Nachkommenschaft um den Erhalt der Sippe zu sichern. Obwohl dieses Ereignis also "wichtig" war, findet es in den Überlieferungen kaum Niederschlag und in den Fachpublikationen zum Thema Wikinger wird es so gut wie gar nicht erwähnt. Was sich uns nach einigem Suchen und Zusammentragen aus den unterschiedlichsten Quellen darbietet ist dementsprechend mager, läßt aber doch einige Rückschlüsse und Einsichten bez. dieses Themas und die damit verbundene Geisteshaltung zu (zur eigentlichen Geburt und dem damit verbundenen Brauchtum folgt etwas später noch ein “Absätzchen”).
Bekannt und belegt ist, das ein eheliches Kind erst nach einem "dreiteiligen Ritual" als zur Sippe gehörend angesehen wurde, nämlich durch die Annahme des Kindes durch den Vater (bzw. Herr des Hauses, den ob die Kinder wirklich immer vom Ehemann waren - nach dem Umgang mit der Sexualität im frühen Skandinavien habe ich da ja so meine Bedenken. Dazu an anderer Stelle mehr.).
Der erste Teil dieses Rituales bestand darin, das der Ehemann das Neugeborene, welches man vor ihm auf den Boden legte, aufheben mußte. Tat er dies nicht, war das Kind schon vor der "Prüfung" verstoßen und mußte ausgesetzt werden. Tat er es, unterzog er das Kind einer genauen Betrachtung, bei körperlicher Mißbildung wurde abgewägt, wie schwer diese war und ob mit dieser Mißbildung die von der Sippe gebotenen und überlebenswichtigen Anforderungen erfüllt werden konnten. Führte dies nicht zur Aussetzung, mußte er das Kind auf seinen Schoß (oder die Knie) setzen. Der dritte Teil des Rituals bestand darin, dem Kind Wasser über den Kopf zu schütten und ihm einen Namen zu geben (zur Namensgebung kommen wir gleich). Manch geneigter Leser mag hier einen christlichen Einfluß wittern - dem ist aber nicht so ! Was hier nach "Taufe" aussieht ist ältestes heidnisches Brauchtum. Wie wir bei den Bestattungsritualen noch sehen werden, verband man mit der Seele auch das Element Wasser (Seele = west- und ostgermanisch ‚saivala', gotisch ‚saivs', was ‚See' oder ‚das Bewegliche' bedeutet.) Da man glaubte, das Glück und Erfolg einem Namen anhaftete und somit übertragbar waren, wurden häufig Namen von erfolgreichen Freunden oder Verwandten verwendet. Mit dem Wasser sollten die Eigenschaften des Namensgebers auf das Kind übertragen werden. Wenn man so will wurde der Säugling somit zu einer "wiedergeborenen, reinkarnierten Person" (bzw. "Seele"). In den Sagas schlägt sich das folgender Maßen nieder. Für die Zeit vor der Christianisierung wird häufig "mit Wasser besprengt, begossen ... Wasser über sein Haupt ... etc." verwendet, für die Zeit nach der Christianisierung die Worte "...wurde getauft ..." . Wir haben also eine Differenzierung des Brauchtums selbst durch die isländischen, meist christlichen, Sagaschreiber.
Das Aussetzen von Kindern durch Nichtannahme erfolgte in der Regel bei schwer mißgebildeten, zu schwachen, ungewollten (bzw. angezweifelten [ehelich -ja/nein]) und wahrscheinlich bei einem Gutteil der weiblichen Säuglinge. Man hielt die Zahl der Frauen aus "wirtschaftlichen" Gründen kleiner - wie wir bei dem Hochzeitsritual noch sehen werden, wurde die Braut sozusagen "gekauft" - und da es auch damals schon hieß "Angebot regelt die Nachfrage" erzielte man bei geringerem "Angebot" natürlich für die eigene Sippe den größeren Vorteil. Das klingt unmenschlich, ist aber ein Teil der Überlebensstrategie der skandinavischen Völker gewesen, die wir durchaus auch bei anderen Kulturen in ganz ähnlicher Weise finden. Das Aussetzen von teils sogar gesunden und gewollten Kindern ist für Hungersnöte überliefert. Dies zum Teil bis über die Christianisierungsphase hinaus. Neben dem Aussetzen blieb immernoch die Möglichkeit der Nichtannahme mit anschließender Duldung. Dann wurde das Kind als unehelich eingestuft und den "Bastarden", die der Hausherr mit seinen Kebsen produzierte, gleichgestellt. Womit wir nun endlich auch beim Namensrecht angelangt sind.
In Skandinavien war anhand des Zunamens erkenntlich, ob es sich um ein eheliches oder uneheliches Kind handelte. Bei einem ehelichen Kind wurde als Grundstock der Vorname des Vaters mit der Endung “-son” bei einem Jungen und “-dottir” bei einem Mädchen verwendet. Handelte es sich dagegen um ein uneheliches Kind, wurde als Grundstock des Zunamens der Vorname der Mutter verwendet und die betreffende Endung angesetzt. Dieser Makel konnte unter Umständen hinfällig werden, wenn der betreffenden Person ein erworbener Zuname angehängt wurde wie z.B. Thorfinn der Glückliche, was aber die Ausnahme gewesen sein dürfte.
Hier noch eine Seite, auf der ihr hunderte von nordischen Vornamen findet: Hjalti, Wikinger und Metschenke
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Geburt
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Hochzeit
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Bestattung
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Kalender
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Maße und Gewichte
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Text wird weiter recherchiert. Stand des Scripts: 14.01.2002, 01.15 MEZ Last Update, Heimdallsson..... ýlir 2003 n.d.Z © dieses Artikels bei “Samson”, D. Wutzke
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